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Allgemeiner Teil |
Isolierung
und Untersuchung der Pigmente in den Augen des Polychäten
Platynereis dumerilii
Inhaltsverzeichnis
zum allgemeinen Teil
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1. |
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2. |
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2.1. |
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2.1.1 |
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2.1.2. |
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2.2. |
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2.3. |
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2.4. |
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2.5. |
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2.6. |
Die Synthesen der farbigen natürlichen Pterinpigmente und die Synthesen von Modellverbindungen |
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2.6.1. |
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2.6.2. |
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2.7. |
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Trennung,
Isolierung und Strukturermittlung der farbigen Inhaltsstoffe der Augen von
Platynereis dumerilii,
eines frei lebenden Meeresborstenwurmes. Im Verlaufe der Arbeiten zeigte es
sich, dass diese farbigen Inhaltsstoffe Pigmente sind, die der Klasse der
Pterine zuzuordnen sind. Diese strukturelle Verwandtschaft
der Pigmente wurde zum Anlass genommen, einige der schon lange bekannten,
natürlich vorkommenden farbigen Pterine mit neueren
physikalischen Methoden zu untersuchen und einige neue Modellverbindungen
zu synthetisieren.
2.1. Natürliche farbige, Pterinpigmente
Der Name
„Pterin“ wird heute für 2-Amino-oxo-3,4-dihydropteridin
[1] verwendet, während die Bezeichnung „Pteridin“ für Pyrimido-(4,5-b)-pyrazin [2] gebraucht wird.
Alle bis heute aus natürlichen Quellen gefundenen
Pteridine gehören zur Gruppe der Pterine, die meist aus tierischem Material stammen oder sie
haben das Grundgerüst von 2,4-Dioxopteridin [3] und werden „Lumazine“ genannt. Diese Lumazine
kommen meist in Pflanzen vor
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Der
Beginn aller Untersuchungen an Pterinpigmenten geht
auf das Jahr 1889 zurück, als F. G. Hopkins erstmals die Farbstoffe in Schmetterlingsflügeln
untersuchte (1). Erst 51 Jahre später gelang es, die Struktur von einigen
dieser Pigmente aufzuklären (2). Die damals gefundenen Pigmente waren das
Leucopterin [4], das Isoxanthopterin [5] und das gelb gefärbte Xanthopterin [6].
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Ein anderer Weg, der zum Auffinden von neuen Pterinpigmenten führte, wurde im Jahre 1932 von S. Wright eingeschlagen (3).
Er untersuchte Faktoren, die die Augenfarben von Drosophila
melanogaster beeinflussten. Die darauf folgenden, von der
Genetik geprägten Arbeiten, führten zum Auffinden von neuen Pterinderivaten,
deren Strukturen zum Teil heute noch nicht gesichert sind. So wurden, neben
den schon in Schmetterlingsflügeln gefundenen Pterinpigmenten,
die in 6-Stellung substituierten 7,8-Dihydropterine [7] gefunden.
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Das Auffinden und die Strukturermittlung der neuen
farbigen Pterinpigmente zeigte, dass diese Pigmente
immer zu der Gruppe der 6-substituierten 7,8-Dihydropteine oder zu der Gruppe
der in 7-Stellung; substituierten Xanthopterine
zugeordnet werden konnten. Im Folgenden werden die Verbindungen der farbigen
Pterine, getrennt nach den oben aufgezeigten Gruppen, genauer
besprochen.
2. 1. 1. Natürliche 7-substituierte Xanthopterine
Der Name Xanthopterin
[6] wurde von Schöpf und Wieland für ein gelbes Produkt, das im Jahre 1925
aus Schmetterlingsflügeln isoliert wurde, gewählt (4). 15 Jahre später gelang
es E. Purrmann im Jahre 1940 die Struktur dieses
Xanthopterins [6] (2), des Leukopterins
[4] (5) und Isoxanthopterins [5] (6) aufzuklären.
Derivate
dieses Xanthopterins [6], wie das Methylxanthopterin
[8], das Ekapterin [9], das Erythropterin
[10], das Lepidopterin [11] und das Pterorhodin [12] konnten im Verlauf der nächsten 22 Jahre
ebenfalls in ihrer Struktur aufgeklärt werden.
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2. 1. 2 Natürliche 6-substituierte 7,8-Dihydropterine
Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die roten
Pigmente aus dem Drosophilaauge zu isolieren (7)
(8) (9), gelang es 1954, aus der Drosophilamutante
„Sepia“ das Sepiapterin [13] zu isolieren (10),
und in seiner Struktur aufzuklären (11) (19) (13).
Aus
derselben Drosophilamutante konnten zwei weitere
Pigmente isoliert werden, das Deoxysepiapterin [14]
(früher als Isosepiapterin bezeichnet) und das Sepiapterin C [15] (14).
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Die
Pigmente aus dem Wildtyp der Drosophilafliege, das
Drosopterin [16], das Isodorosopterin
[17], das Neodrosopterin [18] und das Aureodrosopterin sind in ihrer Struktur noch nicht gesichert,
dies obwohl das Drosopterin synthetisiert werden konnte (16). Für das Aureodrosopterin
wurde noch kein Strukturvorschlag gemacht (15).
In der nachfolgenden Tabelle 1 sind die
bisherigen Strukturvorschläge zu den Drosopterinen
in chronologischer Reihenfolge aufgezeichnet.
Ein
weiteres Pterinpigment, welches man zu dieser Pteringruppe zählen könnte, ist im Jahre 1965 in der Mutante
"Lem“ der Seidenraupe gefunden worden (21).
Als Struktur wird ein 8-Methylsepiapterin [19] angenommen.
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Tabelle 1
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1959 Strukturvorschläge von M. Viscontini
und E. Möhlmann (17) |
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Drosopterin [16] |
Isodrosopterin [17] |
Neodrosopterin [18] |
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1970 Strukturvorschlag von W. Pfleiderer, dass Drosopterine Dimere sind (18) |
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1972 Annahme von
H. Schlobach und W. Pfleiderer, dass Isodrosopterin
und Drosopterin Enantiomere
seien (19) |
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1975 Weitere Strukturvorschläge zu Drosopterinen von K. Rokos und
W. Pfleiderer (15) |
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1977 Weitere Strukturvorschläge zu Drosopterinen von Theobald und W. Pfleiderer |
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Die erwähnten Pterinpigmente findet man weit verbreitet in Lebewesen, von den Mikroorganismen (22) bis zu den Vertebraten (23) (24). Aus Mikroorganismen wurden das Xanthopterin [6] (25), das Erythropterin [10] (26) und das Pterorhodin [12] (27) gefunden.
Im
Weiteren konnte das Xanthopterin [6] in den Häuten
von Reptilien (28) (29), Amphibien (30) (31), Fischen (32) und Crustaceen
(33) nachgewiesen werden.
Die
stärkste Verbreitung des Xanthopterins [6] und seiner
Derivate findet man bei den Insekten (23) (24).
Die Derivate der 7,8-Dihydropterinpigmente sind
nicht so verbreitet oder wegen der schwierigen Isolierung und Instabilität
der Produkte nicht so häufig gefunden worden wie die Xanthopterinderivate.
Die Pigmente wurden jedoch auch in Reptilien (34), Amphibien (29), Fischen
(32) und - ausser in Drosophila melanogaster
- noch in anderen Insekten (35) gefunden.
Das
Deoxysepiapterin [14] wurde in grösseren Mengen aus der Alge
Anacystis nidulans isoliert
(36).
2. 3 Morphologische Funktionen
Es ist selten, dass die Pterinpigmente allein die die Farbe bestimmenden Faktoren
sind. In den meisten Fällen treten die Pterinpigmente
zusammen mit Ommochromen (37), Porphyrinen
(38) und manchmal auch mit Flavonoidfarbstoffen
(39) auf. Bei den Arthropoden, wo die Pterinpigmente
in grösseren Mengen vorkommen, sind sie meist in einem charakteristischen
Muster ins Integument und in den Augen verteilt
(23).
Bei den Schmetterlingen zum Beispiel befinden
sich die pterinreichen Zonen an den Hautfalten oder
in den Gebieten des Integumentes die über den Trachäahöhlen liegen. Elektronenmikroskopische
Untersuchungen an Schmetterlingsflügeln zeigten, dass sich die Pterinpigmente im interlamellaren
Raum in Form von elliptischem Granulat ablagern (40) (41). In den Ommatiden der Facettenaugen werden die farbigen Pterinpigmente zusammen mit Ommochromen
in Form von rundem proteinhaltigem Granulat gefunden, das
in den Pigmentzellen eingeschlossen ist. Diese Pigmentzellen umgeben den Linsenkörper
und die Retinula (42).
Die Verteilung der Pterinpigmente
im Zusammenhang mit Erbfaktoren ist für die Augen von Drosophila
und Ephestia durchgeführt worden (43).
Bei den niederen Vertebraten sind die Pterinpigmente in stark gefärbten Zellen, den Xanthophoren und den Erythrophoren
lokalisiert (44). Morphologische Studien zeigten, dass sich in diesen Zellen
die Pterinpigmente in den Pterinosomen
befinden (45). Diese Pterinosomen haben eine kugelige
oder elliptische Form mit einem Durchmesser von 0,6
m. Die Strukturierung der Pterinosomen
zeigt konzentrisch angeordnete Lamellen (46).
2. 4. Biosynthese und biochemische Funktionen
Über die Biosynthesen der natürlich vorkommenden
Pterine gibt es noch sehr wenige Daten. Bekannt
ist die Bildung des 7,8-Dihydro-D-neopterin-3-triphosphates [20]. Dieses
Produkt [20] wird in Bakterien, Insekten, Amphibien (47) und Säugetieren (48)aus
Guanosintriphosphat durch Abspaltung von Formiat und einer anschliessenden Amadoriumlagerung
gebildet.
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Die
weiteren biochemischen Schritte vom 7,8-Dihydro-D-neopterin-3’-triphosphat
[20] zum Sepiapterin [13], dem biogenetisch ersten
farbigen Pterinpigment sind noch wenig gesichert.
Von verschiedenen Autoren werden abweichende Reaktionsschritte vorgeschlagen.
Im
folgenden Schema sind 2 Möglichkeiten einander gegenübergestellt (41) (50).
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In
der Mutante "Sepia" von Drosophila melanogaster wird das Sepiapterin
[13] akkumuliert, jedoch werden keine Drosopterine
gefunden (10). Es steht jedoch nicht fest, da die Struktur der Drosopterine
(16) (17) (18) noch nicht als gesichert gelten kann, ob das Sepiapterin
[13] der biochemische Vorläufer in der Drosopterinsynthese
ist, oder ob
die Biosynthese der Drosopterine von einer Vorstufe
des Sepiapterins [13] ausgeht.
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Über
die Biosynthese der anderen Gruppe der farbigen Pterinpigmente,
der in 7-Stellung substituierten Xanthopterinderivate
ist noch sehr wenig bekannt. Als Vorstufe kann das 7,8-Dihydroxanthopterin [21]
angesehen werden. Die Bildung dieses Produktes [21] erfolgt aus dem 7,8-Dihydropterin
[22] durch Oxidation mit Xanthinoxydase (51).
Das
7,8-Dihydropterin [22] anderseits wird durch Abspaltung der in 6 Stellung
haftender Seitenkette des 7,8-Dihydroneopterins [23] oder 7,8-Dihydrobiopterins
[24] gebildet (41).
Das Erythropterin [10] wird in Insekten durch eine direkte enzymatische Angliederung einer C3-Kohlenstoffkette,
vermutlich der Oxalessigsäure an das Dihydroxanthopterin [21] (52) gebildet. Die Angliederung der Oxalessigsäure und der Brenztraubensäure
an das Xanthopterin [6] verläuft in vitro. In vivo ist jedoch die Anlagerung der Oxalessigsäure an das Xanthopterin
[6] gegenüber der Anlagerung an das 7,8-Dihydroxanthopterin [21] verlangsamt.
Die
Umwandlungen des Erythropterins [10] in die weiteren,
natürlich vorkommenden Xanthopterinderivate, wie
das 7-Methylxanthopterin [8], das Lepidopterin [11],
das Ekapterin [9] und das Pterorhodin
[12] können chemisch leicht durchgeführt werden, die biochemischen Vorgänge
hingegen sind nicht untersucht worden.
In
einer neueren Arbeit konnte gezeigt werden, dass das Sepiapterin
[13] selbst von einer grossen Zahl von Bakterienstämmen zu einem unbekannten
Xanthopterinderivat abgebaut wird, welches nach hydrolytischer Spaltung das Xanthopterin
[6] bildet (53). Es wurde dabei gezeigt, dass das Pterin [1], das Biopterin [25],
das Xanthopterin [6] und die 7,8-Dihydroverbindungen
dieser drei Substanzen keine biogenetischen Vorläufer zu diesem Xanthopterinderivat sein können. Neben den schon erwähnten
biochemischen Umwandlungen von 7,8-Dihydro-D-neopterin-3'-triphosphat [20]
zum Xanthopterin [6] und seinen Derivaten ist dies eine weitere
Möglichkeit, und vermutlich nicht die letzte, die gefunden worden ist.
Das
in Bombyx mori gefundene 8-Methylsepiapterin
[19] ist bislang der einzige Vertreter eines natürlichen, in 8-Stellung substituierten
Pterins. Mögliche biochemische Synthesen sind bisher
weder vorgeschlagen noch untersucht worden. In 8-Stellung substituierte Lumazine
[3] sind einige bekannt wie zum Beispiel das 6,7-Dimethyl-8-ribityl-lumazin,
welches der Vorläufer des Riboflavins ist [54].
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2. 5. Nerepterin und Platynerepterin
Viele
Arten von Meeresborstenwürmern (Polychäten) sind
auffällig gefärbt. Dementsprechend wurde auch die chemische Natur ihrer Pigmente
verschiedentlich untersucht (55). Der Polychät Platynereis dumerilii, der in Bezug
auf morphologische und genphysiologische Eigenschaften
sehr genau untersucht worden ist (56) (57) (58) (59) (60), zeigt intensiv
dunkelrot gefärbte Pigmentbecheraugen. Die Pigmente die diese Färbung verursachen,
schirmen das Augeninnere optisch weitgehend ab und ermöglichen dadurch das
Richtungssehen dieser frei lebenden Polychäten.
Im Elektronenmikroskop ähnelt die Augenpigmentgranula
in den Stützzellen von Platynereis dumerilii stark den Pterinosomen
in den Erythrophoren und Xanthophoren
des Fisches Xiphophorus hellerii
(32) und des Frosches Rana japonica
(45). In unserem Laboratorium wurden die Pigmente in den Augen von Platynereis dumerilii untersucht
(61).
Es
zeigte sich, dass im Wesentlichen 2 Pigmente für die Färbung der Augenbecher
verantwortlich waren. Das eine Pigment zeigte eine rote Farbe und wurde, nachdem
durch chemischen Abbau, bei dem Leucopterin [4]
als Abbauprodukt erhalten wurde, als Platynerepterin
bezeichnet. Das andere, ein gelbes Pigment mit ähnlichen Eigenschaften wie
das Platynerepterin wurde als Nerepterin
bezeichnet. Auf Grund der weitgehenden Übereinstimmung in physikalischen Eigenschaften
von Platynerepterin und Pterorhodin [12] wurde vermutet, dass es sich bei diesen Pigmenten
ebenfalls wie bei Pterorhodin [12] und eventuell
bei den Drosopterinen um so genannte "Dimere Pterine“ handeln könnte.
2. 6. Die Synthesen der farbigen natürlichen Pterinpigmente und die Synthesen von Modellverbindungen
2. 6. 1. Die Synthese der 7 substituierten Xanthopterine
Die Synthese des Leucopterins
[4], des Xanthopterins [6] und des Isoxanthopterins [5] bildeten den Ausgangspunkt für die Entwicklung
der Pterinchemie. Eine Zusammenfassung über diese
Synthesen findet man bei Metha und Elderfield (62). Im folgenden Abschnitt werden die Synthesewege
zum Xanthopterin [6] und seinen Derivaten genauer
untersucht. Zum grössten Teil wurde das Xanthopterin
[6] oder die Xanthopterinderivate nach der Methode
vor Isay (63) hergestellt. Dieser Syntheseweg beinhaltet
in seinem letzten Schritt die Bildung des Pyrazinringes
aus 2,4,5-Triamino-6-hydroxypyrimidin [26] mit a-Ketosäuren [27].
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Durch
geeignete Reaktionsbedingungen konnte das Xanthopterinderivat
oder das Isoxanthopterinderivat bevorzugt erhalten
werden. Da die Löslichkeit des Isoxanthopterins
[5] in Säuren gegenüber der des Xanthopterins [6]
schlecht ist, gelang meist eine isomerenfreie Aufarbeitung
des einen Produktes. Die folgende Tabelle 2 zeigt die Xanthopterinderivate die auf diese Weise aufgebaut worden
sind.
Tabelle 2
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Im
Hinblick darauf, dass natürliche Pterine in Analogie zu
Guanosin [28] als 8-N-Glycoside vorliegen könnten, wurde
der Versuch der Synthesen von 8-substituierten Pterinen
unternommen. Eingeleitet wurden diese Synthesen von Forrest, Hull, Roda und Todd (72) und von Leigh (73).
Ausgehend
von 2-Amino-4-ethylamin-6-hydroxypyrimidin [29] wurde durch Nitrosierung
und anschliessender Reduktion das Amin [30] erhalten. Das Amin [30] wurde
mit Chloracetylchlorid versetzt. Das gebildete Produkt war das
2-Amino-5-chloroacetamido-4-ethylamino-6-hydroxypyrimidin [31]. Die anschliessende
Zyklisierung des Produktes zum 8-substituierten Xanthopterin [32] gelang den Autoren nicht. Es gelang lediglich,
das Amin [30] mit Oxalsäure zum 8-Ethylleukopterin
[33] zu kondensieren (72).
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Boon und
Leigh (73) diazotierten das 2-Amino-4-chloro-6-hydroxy-pyrimidin
[34]. Mit Glyzinester wurde das 2-Amino-6-hydroxy-5-phenylazo-4-pyrimidinyl-aminoacetat
[35] erhalten, welches nach Reduktion mit Zink/Salzsäure sofort zum 7,8-Dihydroxanthopterin
[36] zyklisierte.
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Dieses
Syntheseprinzip wurde auch verwendet zur Synthese von weiteren 7,8-Dihydroxanthopterinderivaten.
So konnte 8-Methyl-7,8-dihydroxanthopterin [37] erhalten werden, wenn an Stelle
des Glyzinesters der N-Methylglyzinester
(Sarkosinester) verwendet wurde.
Das
7-Methyl-7,8-dihydroxanthopterin [38] wurde erhalten, wenn der Alaninethylester verwendet wurde (74). Das 7,7-Dimethyl-7,8-
dihydroxanthopterin [39] wurde synthetisiert, indem
der Glyzinester durch
a-Ameisensäuremethylester ersetzt wurde (75).
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Die
Synthesen der weiteren natürlichen in 7 Stellung substituierten Xanthopterine wurden von Viscontini
und Piraux (76) eingeleitet, als sie zeigten konnten,
dass die 7-Stellung des Xanthopterins [6] leicht
einer nukleophilen Addition zugänglich ist. Die
dadurch entstandenen 7,8-Dihydroxanthopterinderivate oxidierten an Luft leicht
zu den entsprechenden Xanthopterinderivaten.
Anhand
der Addition des Cyanid-Ions an das
Xanthopterin [6] wurden diese Eigenschaften beschrieben. So
konnte nach längerem Stehen lassen einer Lösung von Xanthopterin
[6] und Kaliumcyanid in konzentrierter ammoniakalischer Lösung
an Luft, das Xanthopterin-7-carbonsäureamid [40] isoliert werden.
Wurde
die Lösung mit Kaliumpermanganat oxidiert, konnte
anschliessend die Xanthopterin-7-carbonsäure [41] isoliert werden, die ein
direkter Beweis für Anlagerung des
Cyanid-Ions an die 7-Stellung des Xanthopterins [6] war.
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Die
Synthese des Erythropterins [10] gelang 1962 gleichzeitig
und unabhängig voneinander bei Schöpf und Gänshirt
(77) durch Behandlung von Xanthopterin [6] mit
Oxalessigsäure [42] und bei Viscontini
und Stierlin (76) durch Behandlung von Xanthopterin [6] mit Brenztraubensäure
an Luft.
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Durch
Reduktion des Erythropterins [10] mit Natriumborhydrid konnte das Ekapterin
[9] synthetisiert und gleichzeitig in seiner Struktur aufgeklärt werden. Das
Lepidopterin [11] stellte sich als das Ketimin
des Erythropterins [10] heraus (78).

Die
Synthese des Pterorhodins [12], eines violett-roten
Pigmentes, das häufig als Behandlungsartefakt bei der Isolierung und der Synthese
der 7-substituierten Xanthopterine auftritt, gelang
schon im Jahre 1949, durch oxidative Kondensation
von Xanthopterin [6] mit 7-Methylxanthopterin [8] (79).
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Ein
neuer Weg zum Aufbau von Xanthopterin [6] und seinen
Derivaten, wurde von Taylor und Mitarbeitern entwickelt (80). Anhand der Synthese
des Xanthopterins [6] sei der Syntheseweg, der auch
für andere Pterinsynthesen breite Anwendungsmöglichkeiten
eröffnete, kurz erläutert.
Das
Ausgangsprodukt, 2-Amino-3-cyanopyrazin-4-oxid [43], wurde durch Phosphoroxychlorid in Dimethylformamid
zum 2-Amino-3-cyano-5-chloropyrazin [44] umgewandelt. Versetzen des Produktes
[44] mit Guanidin in Natriumethylat
lieferte das 2,4-Diamino-6-methoxypteridin [45], welches durch Base zum Xanthopterin [6] hydrolysierte.
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Da bei der Aufklärung der Strukturen des Nerepterins und des Platynerepterins
eine Ähnlichkeit der Produkte mit Xanthopterinderivaten
vermutet wurde und bisher ein nur sehr lückenhaftes Angebot an Referenzsubstanzen
vorlag, waren wir gezwungen einige neue Xanthopterinderivate
selbst zu synthetisieren, zu charakterisieren und mit den Eigenschaften der
Naturprodukte zu vergleichen. In der Tabelle 3 sind die von uns synthetisierten
neuen Verbindungen aufgeführt.
Tabelle 3
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2. 6. 2. Die Synthesen der 6 substituierten 7,8-dihdropterine
Im
Jahre 1962 gelang es Forrest und Nawa das Deoxysepiapterin [14] durch Kondensation des 7,8-Dihdropterins
[7] mit
a-Ketobuttersäure in Gegenwart von Thiamin zu synthetisieren. Ein weiteres Produkt welches die
Autoren durch Kondensation von 7,8-Dihydropterin [7] mit Brenztraubensäure
erhielten war das 6-Acetyl-7,8-dihydropterin [15] (11). Erst im Jahre 1973
konnte Sugiura und Takikawa
dieses Produkt als Naturprodukt, als das Sepiapterin
C [15], isolieren und identifizieren (14).
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Die
Synthese des Drosopterins [16] und des Isodrosopterins [17] gelang ohne Kenntnis dieser Strukturen
durch Kondensation von 7,8-Dihydropterin [7] mit
a-Keto-b-hydroxybuttersäure [16] (19).
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Ein
Weg zur Synthese des Sepiapterins [13] zeigte sich
in der Arbeit von Sugiura und Goto,
die nach Reduktion von D-erythro-Neopterin [46]
Produkte erhielten, die dem Sepiapterin [13] sehr
ähnlich waren (81).
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Analoges
Vorgehen von Pfleiderer durch Reduktion des Biopterins
[47] und anschliessender Reoxidation führten zu
Bildung des Sepiapterins [13] (13).
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Erwähnenswert
ist noch eine Synthese von Sugiura und Goto (62), die durch Kondensation von 2,4,5-Triamino-6-hydroxypyrimidin
[26] mit Triketopentan in saurem Milieu ein farbloses
Produkt, das 6-Acetyl-7-methylpterin [48] erhielten. Nach Reduktion von 6-Acetyl-7-methylpterin
[48] mit Natriumamalgam wurde das 6-Acetyl-7-methyl-7,8-dihydropterin als
gelbes Produkt erhalten. Das Produkt [48] ist insofern von Interesse, da bisher
noch keine Arbeiten vorliegen, die aus natürlichen 6 substituierten 7,8-Dihydropterinen
durch Oxidation gebildete 6-substituierte Pterine
beschreiben.
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|
2.7. Literaturverzeichnis zum allgemeinenTeil
(1) F.
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